Festung Ehrenbreitstein

Mauersanierung mit fordernder Logistik


Schauplatz Festung Ehrenbreitstein, Koblenz, 1.000 Jahre Geschichte, im 19. Jahrhundert preußische Festung und gleich zweimal Fahnenappell unter fremder Flagge – französisch bis 1929 und nach dem Zweiten Weltkrieg amerikanischer Appell der neuen Siegermacht.

Festungen sind naturgemäß Kriegsschauplätze und untrennbar mit Feindschaft verbunden. Im geeinten Europa beherbergt die zweitgrößte Festung Europas aber längst kein Militär mehr, sondern hat Platz für friedliche, verständigende Angebote wie Museen, eine Jugendherberge, Kulturzentren, Gaststätten, Platz für Events etc. Für diese Zwecke ist jeder Euro weit besser investiert. Und einiges an Budget musste der Eigner der Festung – das Land Rheinland-Pfalz unter Federführung der Niederlassung Koblenz des Landesbetriebs für Liegenschafts- und Baubetreuung – zur Renovierung der Feste in die Hand nehmen.


Die Stützmauer des südlichen oberen Plateaus musste massiven Sanierungsarbeiten unterzogen werden. Derartige Stützmauern, die das dahinter befindliche Erdreich und damit das Plateau der Festung abstützen, sind über die Jahrhunderte extremen Belastungen ausgesetzt. Das Mauerwerk und die Fugen leiden entsprechend. Die vom Schmöllner Gerüstbau-Unternehmen BSB Bau- und Spezialgerüstbau GmbH eingerüstete Süd-Mauer befindet sich an einem steilen Abfall mit einem sagenhaften Gefälle von 1:10, stolze 70 Meter über dem Rhein. Bei der Konstruktion der Gerüste kam es nicht minder auf Balance und Planung an als beim Bau der Mauer und der Festung selbst.

Die Stützmauer schwankt in ihrer Höhe zwischen 2 m und 15 m und wurde unter Verwendung des Arbeits- und Schutzgerüstes Bohr-, Verpress- und Maurerarbeiten unterzogen. Eine maschinelle Verfugung darf bei dieser Anti-Aging-Kur auch nicht fehlen.

Sechs Mitarbeiter setzte BSB durchschnittlich zur Montage der Rüstung an der Süd-Mauer sowie der Rotunde innerhalb der geplanten Aufbauzeit von 5 Wochen ein. Hierzu war entsprechende logistische Planung nötig, denn das Zeitfenster, in dem Material zur Baustelle geschafft werden konnte, schloss sich täglich um 10:00 Uhr. Danach hatten wieder die Besucher der Feste Vorrang. Hatte der 12-Tonnen-Lkw noch freie Fahrt bis zum Burgplatz der Jugendherberge, war nach Entladung durch einen Merlos-Teleskoplader Schluss mit technischer Hilfe. Der Transport zum Einsatzort ging nur noch von Hand weiter.

Die Lösung zur größten Herausforderung der Rüstung wurde, wie die Gesamtplanung auch, in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Barthel & Maus sowie dem IBS Ingenieur- und Sachverständigen-Büro für den Gerüstbau Joachim Specht mit Sitz in Schalksmühle realisiert. Lasten sind bei altem Mauerwerk immer ein Problem. Die Stützlasten des Gerüstes mussten direkt in die Mauer eingeleitet werden, damit sich der Erddruck, der auf die Stützmauer wirkt, nicht zusätzlich erhöht und diese additiv belastet. Zudem mussten die Wandflächen der Mauern voll zugänglich bleiben, um alle Arbeiten daran zuzulassen. Ausschreibungsvoraussetzung war der Einsatz des Modulgerüstes VARIANT des Herstellers scafom-rux. Das System zeichnet sich durch hohe Flexibilität bzgl. der Anpassung an Objekte aus und wurde unter Verwendung von 1.325 m² an der Stützmauer eingesetzt. Die Konstruktion wurde als Hängerüstung mit innen liegenden Konsolen ausgeführt und unter Einsatz von 405 lfm. Gitterträgern versteift und aufgelagert. Probleme mit der Verankerung am maroden Gemäuer konnten in Abstimmung mit dem Statiker alternativ gelöst werden.

BSB Bau- und Spezialgerüstbau ist bekannt für zahlreiche Sonderrüstungen und für die hohe Professionalität des Unternehmens. Damit das Schmöllner Unternehmen unter Geschäftsführer Dipl.-Ing. Wolfgang Kaiser diesem Anspruch auch weiterhin gerecht bleibt, hatten die Veteranen der Gerüstprojekte Theatinerkirche München, Völkerschlachtsdenkmal Leipzig oder auch Schloss Neuschwanstein die Aufgabe, eine neue Generation an Gerüstbauern an die Flexibilitätsvorteile des scafom-rux-Systems heranzuführen und auszubilden. Mit den zahlreichen Felsvorsprüngen, Ecken und Kanten war das Projekt Ehrenbreitstein hierzu das ideale Schulungsgebiet. Das 80 Mann starke Unternehmen ist spezialisiert auf knifflige Aufgaben und teilweise bis weit über die deutschen Grenzen aktiv. So gehören Industrieanlagen, Hochhäuser und Wetterschutzlösungen ebenso zum Portfolio wie großdimensionale Überbrückungen und andere Sondergerüste.

Auch dieses Projekt wäre von BSB – wie immer – termingerecht durchgeführt worden, wenn nicht ein kleines Detail für Verzögerung gesorgt hätte. Das Gerüstbauteam musste den Start der Arbeiten um zwei Wochen verschieben, um einem Uhu die nötige Zeit zum Ausbrüten des Geleges geben zu können. Für den Turmfalken in der Nachbarschaft reichte dann die Montage eines temporären Sichtschutzes, damit die Jungfalken in Ruhe aufwachsen konnten.