Marschiertor Aachen

Komplexe Rüstung für die Dachsanierung des Aachener Marschiertors


Buchstäblich aufs Dach gestiegen sind die Mitarbeiter des Aachener Gerüstbauunternehmens Creutz dem Marschiertor, einst Südtor der äußeren Aachener Stadtmauer. Es zählt zu den größten noch erhaltenen Stadttoren Westeuropas. Begonnen wurde dessen Bau um 1257, Fertigstellung war wahrscheinlich kurz nach 1300. Während des Zweiten Weltkrieges durch Bombardierung stark beschädigt, war das Tor zunächst nur provisorisch wiederhergestellt worden. Das Dach in seiner heutigen Form entstand erst 1951.


„Zahllose Undichtigkeiten im Schindeldach, die besonders extremen Wettereinflüssen wie Sturm und Regen nicht mehr standhielten, machten eine umfangreiche Sanierung dringend nötig“, so der Projektleiter der Stadt Aachen, Engelbert Chaumet. Zum Schutz und Erhalt des Dachstuhls wurde daher bereits im April 2017 mit den aufwendigen Instandsetzungsarbeiten begonnen. Das für die Dachdeckerarbeiten in bis zu 50 m Höhe nötige Gerüst sollte das gesamte Tor umspannen. Dieser Aufgabe nahm sich das mittelständische Unternehmen Creutz mit über 100 Jahren Erfahrung im Gerüstbau an, unter Mitwirkung des Ingenieurbüros Specht in Schalksmühle, das die statischen Berechnungen für die einzelnen Gerüstabschnitte durchführte.

Die Einrüstung des charakteristischen Steildaches stellte dabei eine der größten Herausforderungen dar. Laut Projektleiter Chaumet konnte das Gerüst nicht direkt auf dem Dach errichtet werden, da es derart schwere Lasten nicht aufnehmen kann. Zur Einrüstung des Dachreiters wurden daher zunächst Lasttürme aus RUX-SUPER-100-Fassadengerüst errichtet, auf denen dann Gitterträgerbrücken aus 700 mm hohen Stahl-Gitterträgern verlegt werden konnten. Diese wurden links und rechts vom Dachreiter über dem First des Steildaches zusätzlich gespannt. Auf diesen Brücken wiederum wurde das Gerüst für die Bearbeitung des Dachreiters selbst montiert – ebenfalls mit dem Fassadengerüst SUPER des Hagener Herstellers scafom-rux.

Die Einrüstung der Dachschrägen erfolgt mittels einer Stahlrohrkupplungs-Sonderkonstruktion. Von den Fassadengerüsten wurden kurze 450er-Stahl-Gitterträger über den Aufschieblingen der Dachkonstruktion montiert und mittels Gerüstrohren auf der Decke des Bauwerks im Dachgeschoss aufgelagert. Diese Stützrohre durchdrangen die Dachkonstruktion. Auf den nach innen verspringenden Gitterträgern wurden die Dachgerüste aus Gerüstrohren und Kupplungen errichtet. Die Ständer dieser Gerüste wurden entsprechend der jeweiligen Dachschräge mit Neigung montiert. In jedem Gerüstknotenpunkt wurden Druckanker aus schwenkbaren Gewindefußplatten mit einer lastverteilenden Holzpallung gegen die Dachflächen gepresst.

Im Zuge der Bearbeitung der Dachflächen durften nun die einzelnen Druckanker zur Ausführung der Arbeiten bis Windstärke 5 gelöst werden. Nach Schichtende bzw. bei Windstärken von mehr als 5 Beauforts mussten alle Anker wieder druckfest gesetzt werden. Angesichts dieser technischen Lösungen wirkte die Rundrüstung und Verankerung an den beiden Schmalseiten des Tores fast schon wie ein Kinderspiel. Zur Sicherung gegen herabfallende Teile wurden Verplanungen und Holzverschalungen genutzt, die der Gebäudeform angepasst werden konnten. Zusätzliche, auskragende Plattformen erhöhten die Sicherheit für den nah am Marschiertor entlangführenden Fußgänger- und Kraftfahrzeugverkehr. „Vor allem die Nähe zur Straße hat den Aufbau schwierig gemacht, und wir durften nur ganz gezielt Verankerungen in die Fugen des Mauerwerks setzen“, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Creutz. Mit 70 Metern Umfang und einer Höhe von 22 Etagen zeigt die imposante Rüstung, dass alle Herausforderungen gemeistert wurden. Verbaut wurden in 40 Tagen schließlich etwa 140 Tonnen scafom-rux-Gerüst.

Alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Sanierungsarbeiten im Winter abgeschlossen sind und das Marschiertor pünktlich zu Weihnachten wieder im neuen Glanz erstrahlt.