Gerüstbau im Chinesischen Garten Bochum: Maßarbeit zwischen Wasser, Fels und Tradition
Im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum wird derzeit ein außergewöhnliches Bauprojekt umgesetzt: Die Sanierung des Gebäude-Ensembles im Chinesischen Garten erfordert eine passgenaue Gerüstlösung unter herausfordernden Bedingungen.
Der Chinesische Garten ist ein Geschenk der Tongji-Universität Shanghai und wurde in den 1990er-Jahren errichtet. Er orientiert sich gestalterisch an südchinesischen Gartenanlagen aus der Zeit der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert). Die Planung erfolgte durch einen chinesischen Architekten, und auch die Ausführung lag bei chinesischen Baufirmen. Entsprechend authentisch sind Bauweise, Materialien und Detaillösungen. Das Ensemble besteht aus Pavillons, geschwungenen Dächern, filigranen Holzverbindungen, einem zentralen Teich, Felsformationen und einem verzweigten Wegesystem – eingebettet in eine sensible Umgebung mit botanischen Besonderheiten. Die Stiftung „Der Chinesische Garten e. V.“
(Förderverein) betreut die Anlage seit dem Jahr 2000 und sorgt sich um Überwachung des Zustandes und Mitfinanzierung notwendiger Sanierungs-maßnahmen.
Für die aktuelle Sanierung wurden erneut chinesische Handwerker eingeflogen. „Die Stiftung hat Wert darauf gelegt, dass die Arbeiten möglichst originalgetreu umgesetzt werden“, berichtet Philipp Bünnemann, Bauleiter beim ausführenden Gerüstbauunternehmen Georg Saller Gerüstbau. Drei Monate haben die chinesischen Spezialisten Zeit für die Sanierungsarbeiten.
Zur Einrüstung des Gebäudebestands setzte das Unternehmen Georg Saller Gerüstbau auf das Modulgerüstsystem RINGSCAFF des Hagener Herstellers Scafom-rux, obwohl es sich laut Bünnemann vordergründig um eine klassische Fassadensituation handelt. „Allerdings ist das Gelände uneben, teilweise felsdurchsetzt, und das Gebäudeensemble ist stark verschachtelt. Mit dem Modulgerüst sind wir deutlich flexibler. Wir können Nischen abbilden, auf unregelmäßige Geometrien reagieren und auch in engen Bereichen gut arbeiten“, so der Bauleiter. Auch die Tatsache, dass der Großteil des Gerüsts im Wasser gründet, habe zur Entscheidung für RINGSCAFF beigetragen. Der Teich im Garten wurde nur teilweise abgelassen – rund 40 Zentimeter Wasser verblieben. Gearbeitet wurde daher mit Wathosen direkt im Wasser. Korrosion durch stehendes Wasser sei laut Bünnemann während der geplanten Standzeit des Gerüsts von etwa drei Monaten kein Problem, da ausschließlich verzinktes Material verwendet wurde.
Auch der Materialtransport erwies sich als anspruchsvoll. Die Baustelle war nur eingeschränkt zugänglich – größere Fahrzeuge lassen sich im umge-benden Botanischen Garten nur bedingt nutzen. „Wir konnten mit dem LKW gerade so bis zur Baustelle fahren. Einen Kran konnten wir hier nicht aufbauen, daher musste viel Material von Hand bewegt werden – teils über Mauern hinweg“, erklärt der Bauleiter.
Zur Vereinfachung des internen Transports wurden rund um das Ensemble breite Modulgerüstbühnen installiert. „Das Material kann so überwiegend über das Gerüst bewegt werden – und muss nicht durch die engen Gänge der Anlage transportiert werden.“
Das ausführende Gerüstbauunternehmen Georg Saller Gerüstbau blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde es 1898 als „Saller Gerüstbau“ durch Johann Saller. Seit der Übernahme durch Dipl.-Ing. Michael Bünnemann im Jahr 1997 firmiert es unter dem heutigen Namen. Mittlerweile ist mit „Junior“ Philipp Bünnemann die nächste Generation im Unternehmen tätig.
Mit derzeit rund 20 Mitarbeitenden versteht sich das Unternehmen als Familienbetrieb mit flachen Strukturen. „Wir kennen uns alle sehr gut. Das Miteinander im Team ist uns wichtig – ebenso wie die Sicherheit“, sagt der Bauleiter. Man lege Wert auf modernste Arbeitsmittel und sichere Ausrüstung, um die Arbeit unter oftmals schwierigen Bedingungen bestmöglich abzusichern.
Das Leistungsspektrum reicht von klassischen Fassadengerüsten bis hin zu Wetterschutzeinhausungen und Sonderlösungen – wie im aktuellen Projekt. Die Einrüstung des Chinesischen Gartens sei laut Bünnemann ein gutes Bei-spiel für die Kombination aus technischem Anspruch, kultureller Sensibilität und handwerklicher Präzision.
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