Warum 1,5 Zoll Gerüstrohre eigentlich gar keine 1,5 Zoll Durchmesser haben

Warum das 1 1/2 Zoll Gerüstrohr eigentlich gar keine 1 1/2 Zoll Durchmesser hat

Wer im Gerüstbau tätig ist, kommt um die Zahl 48,3 nicht herum. Egal wo du hinkommst, ein Gerüstrohr wird immer einen Standarddurchmesser von 48,3 mm haben. Abgeleitet wird diese Zahl noch aus der alten Maßeinheit von 1 ½ Zoll. Und dass wir heute Gerüstrohre, Gewinderohre oder ähnliches nicht auch weiterhin in Zoll abmessen, hat auch einen ganz bestimmten Grund: Einheitlichkeit. Fehler und Verwirrung können einfach vermieden werden, wenn ein einheitliches Maßsystem genutzt wird. Und genau aus diesem Grund musste auch das in Zoll angegebene Maß eines Gerüstrohres dem metrischen System weichen. Das Resultat: Einheitliche Maßangaben in Europa und weiten Teilen der Welt – nicht nur im Gerüstbau. Mehr zur Einführung des metrischen Maßes liest du hier. Aus dem 1 ½ Zoll Gerüstrohr wurde so das 48,3 mm Gerüstrohr

 

Ein Gerüstrohr hat eigentlich gar nicht 1 ½ Zoll Durchmesser

Aber Moment mal. Du musst nicht mal genau nachmessen, um festzustellen, dass 1 ½ Zoll 38,1 mm und nicht 48,3 mm sind. Hier hat nicht etwa jemand einen Umrechnungsfehler von Zoll ins metrische Maß gemacht, sondern das Ganze hat historische Gründe.

Die 1 ½ Zoll Durchmesser eines Gerüstrohrs beziehen sich ursprünglich auf den Innendurchmesser. Um in der Vergangenheit ein stabiles Stahlrohr zu produzieren, musste wegen der geringeren Stahlqualität und Produktionsmöglichkeiten mehr Material verwendet werden als heute. Und da mehr Stahl für ein stabiles Rohr gebraucht wurde, waren die Rohrwände dicker und der Innendurchmesser somit kleiner. Heute können wir Stahlrohre mit deutlich weniger Material herstellen. So wird nicht nur Material eingespart, sondern auch die Rohrwände wurden im Laufe der Zeit dünner. Der Außendurchmesser konnte so gleichbleiben, während der Innendurchmesser größer wurde.

Und genau das ist entscheidend, denn wie jeder gute Handwerker weiß, kommt es vor allem auf den Außendurchmesser an. Denn trotz allem technischen Fortschritts sollten Kupplungen und andere Gerüstteile immer zuverlässig passen. Deshalb bezieht man sich bei der Angabe des Durchmessers von Gerüstrohren heute immer einheitlich auf den Außendurchmesser. Dieser sollte immer gleich bleiben, ganz unabhängig von der Stahlqualität und der Wandstärke.

Dass ein sogenanntes 1 ½ Zoll Gerüstrohr heute also nicht mehr 1 ½ Zoll Durchmesser, sondern 48,3 mm hat, liegt also an der modernen Produktion und am Wechsel der Bezugsgröße vom Innen- auf den Außendurchmesser.

 

EN 39 sorgt für einheitliche Außendurchmesser von Gerüstrohren

Die Bezeichnung 1 ½ Zoll Gerüstrohr hat sich bis heute gehalten - Fortschritt hin oder her. Trotzdem kannst du dich immer darauf verlassen, dass ein Gerüstrohr stets 48,3 mm Außendurchmesser hat. Dafür sorgt EN 39, die einen genormten Durchmesser von Rohren festlegt. Somit müssen systemfreie Gerüstrohre immer einen Außendurchmesser von 48,3 mm und einen Nennwert von mindestens 3,2 mm vorweisen - egal, wie sie bezeichnet werden. Der Innendurchmesser kann je nach Stahlqualität dabei variieren, während der Außendurchmesser immer gleichbleibt.

Viele Dinge im Gerüstbau sind gefühlt einfach immer schon so gewesen – aber warum eigentlich? Da gibt es zum Beispiel auch noch das 07er Maß, um das sich die unterschiedlichsten Theorien ranken. Mehr dazu demnächst.

 

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